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Archive for August, 2009

Jazz-Hörer sind verantwortungslos?

23 August 2009 | No Comments » | Andreas Meier

Eine neue Studie1 weißt den Fans unterschiedlicher Musikgenres verschiedene Charaktereigenschaften zu. Dies werde dadurch möglich, dass man über Musik versuche sich selbst darzustellen und eine bestimmte Botschaft nach außen zu tragen. Damit stützt diese neue Studie auf gewisse Weise Hypothese “Individualität”2.

Jason Rentfrow, Leiter der Studie, sagte dazu der englischen Zeitung Daily Telegraph: “”This research suggests that, even though our assumptions may not be accurate, we get a very strong impression about someone when we ask them what music they like.”3. Aus diesem Grund liegt die Vermutung nahe, dass die Musikauswahl durchaus auch als Ausdruck der Persönlichkeit nicht nur genutzt, sondern unter Umständen auch missbraucht werden kann.  Wenn man nun offen zugibt, eine bestimmte Art von Musik – beispielsweise tabubrechende Stücke aus den Metal- oder HipHop-Genres – gibt man eine klare Aussage ab. Eine bewusste Weitergabe / Zurückhaltung von Informationen über den eigenen Musikgeschmack kann somit als eine Art Manipulation verstanden werden. Dadurch kann man beispielsweise eine provokante Aussage abgegeben, um sich als Individuum darzustellen.

Die Studie sagte dabei aus, dass “Rock-Fans zum Beispiel für Rebellen und künstlerisch aber für emotional instabil gehalten”4 werden, während Hörer von klassischer Musik als sympathisch und intellektuell gelten, dabei aber als unattrativ und langweilig wahrgenommen werden. Fans von Jazz sollen laut Studie freundlich aber wenig verantwortungsbewusst sein. HipHop-Hörer werden als energetisch und athletisch angesehen, aber gleichzeitig als feindselig wahrgenommen.5

Literaturhinweise
[1] Matyszczyk, C. (2009), What your iPod playlist says about you, In: URL:
http://news.cnet.com/8301-17852_3-10315679-71.html, CNet.com (Hrsg.).
[2] Meier, A. (2009), Tabubrüche in der Musik, Münster, 2009, S. 62.
[3] Singh, A. (2009), You are what you listen to, says new study of music lovers, In: URL: http://www.telegraph.co.uk/science/science-news/6067389/You-are-what-you-listen-to-says-new-study-of-music-lovers.html.
[4] o. V. (2009), Jazz-Fans gelten als verantwortungslos, In: URL: http://www.dnews.de/wissenschaft/100431/jazz-fans-gelten-als-verantwortungslos.html.
[5] vgl. o. V. (2009), Jazz-Fans gelten als verantwortungslos, In: URL: http://www.dnews.de/wissenschaft/100431/jazz-fans-gelten-als-verantwortungslos.html.

Kitty Kat – Braves Mädchen

2 August 2009 | No Comments » | Andreas Meier

Seit gestern kursiert im Internet das Video zu ersten offiziellen Single aus Kitty Kats Debütalbum Miyo, das am 4. September erscheint. Der Song heißt “Braves Mädchen” und wird ab 21. August 2009 in den Läden stehen. Und der Song hat durchaus Hitpotential, denn die Texte bringen genau das zum Ausdruck, was in der Jugend sowieso gerne gelebt wird: Eigentlich bin ich ganz lieb, nur heute nicht.

Ich bin ein braves Mädchen, aber nicht heute Nacht. Ich rauche, ich saufe, ich sitz aufm Tisch mit deinem Typ. Ich bin in Partystimmung, geh mir aus dem Weg. Ich feier, ich pöbel, ich spring durch den Club und dreh ab. Ich bin ein braves Mädchen, aber nicht heute Nacht.” – Zu diesen Lyrics kommt der ungewohnt poppige Sound, der sich mit Sicherheit auch gut im Club machen würde. Gut vorstellbar, wie dieser Song in den Discos der Nation auf dem Plattenteller rotiert und die jungen Mädels, die eben “nur heute Nacht” nicht brav sind, zum lautstarken Mitsingen animiert.

Der konkrete Tabubruch ist an diesem Song nur schemenhaft erkennbar, denn die beschriebene Situation ist schon lange Wirklichkeit in der deutschen Partyszene. Dass jetzt jemand auf den Punkt bringt, wie gefeiert wird – und das auch erstmals aus der weiblichen Perspektive (1. Person), ist sozusagen ein “Schweigen brechen” und damit interessant. Die Frage bleibt nur wie authentisch oder glaubwürdig die Textzeile “Ich bin ein braves Mädchen” von jemandem transportiert werden kann, der zuvor mit Gastauftritten im Sido-Song “Ficken” oder auch mit Texten wie “Ich bin ‘ne Frau, aber wäre ich’n Mann, würd’ ich dir jetzt sagen alta ‘lutsch mein’ Schwanz’!” von sich reden gemacht hat. Dass “brave Mädchen” will nicht wirklich glaubwürdig rüber kommen – die Verhaltensweise im Club dagegen umso mehr.