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Archive for the ‘Pop’ Category

Senkrechtstart

12 January 2010 | No Comments » | Andreas Meier

Das Branchenmagazin “Musikmarkt” nennt das vergangenene Jahr zurecht das Jahr der Lady Gaga: “Innerhalb weniger Monate erreichte Lady Gaga, was andere in zehn Jahren nicht hinkriegen. Von einer exzentrischen New Yorker Perfomance Künstlerin und talentierten Nachwuchs-Songschreiberin entwickelte sie sich zum Shootingstar des Jahres.”[1]

Laut der Statistik der IFPI[2] erhielt Lady Gaga im Jahr 2009 insgesamt 2 mal Platin und 2 mal Gold Auszeichnungen für ihre Veröffentlichungen: “Pokerface” (1x Gold / Doppelplatin) und “Fame” (Gold). Damit hat Lady Gaga im vergangenen Jahr über 600.000 Singles und 100.000 Alben verkauft.[3] Derzeit befindet sich ihre neue Single “Bad Romance” auf Platz 1 der Singlecharts, während ihr Album “The Fame Monster” Platz 1 der Albumcharts inne hat.[4]

Doch woher kommt dieser Erfolg? Der Senkrechtstart von null auf Hundert?

Einen ersten Namen machte sich die Künstlerin mit ausgefallenen Performances in der New Yorker Clubszene und erhielt so noch vor ihrem 20. Geburtstag einen Vertrag. Nachdem sie Songs für die Pussycat Dolls oder die New Kids On The Block geschrieben hatte, wagte sie sich mit der Zeit auch an ein eigenes Solo-Album.[5] “Ihre schrillen Auftritte erledigten den Rest. Lady Gaga hat den Begriff Exzentrik neu definiert. Als Teenager stakste sie mit einer Nebelmaschine in der Handtasche durch die Clubszene. Heute versorgt Lady Gaga die Boulevard-Presse mit SM-ähnlichen Masken, obskuren Outfits sowie gekonnt inszenierten Verwirrspielchen um ihr Geschlecht mit ausreichend Futter.”[6] Constantin Herrmann bezeichnet das aktuell Video von Lady Gaga in seinem Blog als “zugleich makaber und verstörend, dabei aber ungeheuer sexy und sinnlich”.[7] Lady Gaga spielt mit ihrem Image als durchgeknallte Künstlerin und sorgt sowohl mit ihrer Musik, als auch mit ihren Outfits und Videos immer wieer für Aufsehen. Dadurch kann man als Rezipient immer wieder darauf gespannt sein, was als nächstes passiert.

Gleichzeitig lässt sich die Künstlerin diese Outfits aber auch viel Geld kosten. Medienberichten zufolge soll die Künstlerin mit ihrer “Monster Ball”-Tour einen Verlust von über 2 Millionen Euro einfahren.[8] Zudem wird ein Mitarbeiter zitiert: “Es wurde ein Vermögen für spezielle Kostüme, die technische Ausstattung und aufwendige Bühnendesigns ausgegeben. Doch Lady Gaga bekommt, was Lady Gaga haben will. Allein ihre Garderobe ist enorm, sie will schockieren – und das kostet eben richtig Geld.”[9]

Zusammenfassend lässt sich bisher feststellen: Lady Gaga sorgt also in jeder Hinsicht für Aufmerksamkeit. Sei es mit ihrer Musik, ihren Outfits oder der wirtschaftlichen Situation. Dass Kalkül hinter dem gesamten öffentlichen Produkt “Lady Gaga” steht, dürfte mittlerweile unbestreitbar sein. Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt ein Blick auf die zuvor bereits erwähnten Verkaufszahlen dieses und vergangenen Jahres. Lady Gaga ist ein Musterbeispiel für Erfolg mit Hilfe – oder vielleicht eher aufgrund – von Tabubrüchen. Wir dürfen gespannt sein, womit uns die Künstlerin in diesem Jahr provoziert und überrascht.

Literaturhinweise:
[1] Wellinger, R. (2010), “The Year Of Gaga”: Lady Gaga räumt 2009 ab, In: URL: http://www.musikmarkt.de/site/start/il/1/bid/18985/ridtb/77/pid/1, Musikmarkt (Hrsg.).
[2]o.V. (o.J.), Gold- / Platin-Datenbank, In: URL: http://www.musikindustrie.de/gold_platin_datenbank/, Bundesverband Musikindustrie (Hrsg.).
[3]o.V. (o.J.), Richtlinien für die Verleihung von Goldenen Schallplatten und Platin-Schallplatten, In: URL: http://www.musikindustrie.de/uploads/media/ms_gold_richtlinie_tontraeger2008_02.pdf, Bundesverband Musikindustrie (Hrsg.).
[4]o.V. (2010a), Lady Gaga zweimal auf Platz eins, In: URL: http://www.zeit.de/newsticker/2010/1/12/iptc-bdt-20100112-277-23519600xml, DPA (Hrsg.).
[5]vgl. Wellinger, R. (2010).
[6]Wellinger, R. (2010).
[7]Herrmann, C. (2010), Lady Gaga und der Burj-Tower in Dubai oder: Die Zukunft wird teuer!, In: URL: http://www.alzd.de/2010/01/12/lady-gaga-burj-tower-duft/.
[8]vgl. o.V (2010b), Lady Gaga macht Verlust, In: URL: http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/telegramm/unterhaltungs-telegramm,rendertext=11019992.html, Bild.de (Hrsg.).
[9] o.V. (2010b).

Lady Gaga

20 September 2009 | No Comments » | Andreas Meier

Seit einigen Monaten spricht die Mainstream-Presse über eine neue Musikerin, die auch nicht mit Tabubrüchen geizt. Sei es zunächst einmal der Name – Lady Gaga. “Gaga” impliziert eine Art Zurückgebliebenheit, dieses “Wort” wird häufig im Zusammenhang mit Kindern verwendet und daher auch unmittelbar mit Babies und der Unfähigkeit zu Sprechen verbunden. Gleichzeitig gibt es in den Boulevardmedien eine Diskussion um das Geschlecht der Künstlerin – ist sie wirklich weiblich, oder vielleicht ein Zwitter oder sogar ein Mann? Eine klare Antwort auf diese Fragen gibt es nicht – eine Moderatorin von MTViva (Collien Fernandes) wurde jüngst sogar von einer Pressekonferenz ausgeschlossen, als sie diese Frage stellte. Zusätzlich sorgt Lady Gaga auch mit ihren gewagten und extravaganten Outfits für Schlagzeilen.

Zunächst betätigte sich Lady Gaga als Songwriterin (u.a. für die Pussycat Dolls), bevor sie im Jahr 2008 schließlich ein eigenes Album veröffentlichte. Ihre Single Pokerface aus dem Jahr 2008 hat sich weltweit mehr als 8 Millionen Mal verkauft und erhielt vier mal Platin und 8 mal Gold. In Deutschland erhielten sowohl die Single Pokerface, als auch das Album The Fame Gold. Musikalisch ist der Song dem Massengeschmack angepasst und nicht unbedingt anspruchsvoll, dafür aber – bedingt durch den Beat – einfach Tanzbar und daher in Clubs gut einsetzbar. Erinnert meiner Meinung nach stark an die Dancefloor-Geschichten aus den Neunzigern… nur irgendwie schlechter. Daher stellt sich die Frage: Hätte dieser Song ohne die zugehörige Publicity ebenso viel Erfolg gehabt? Oder haben die diversen Tabubrüchen ihren Teil dazu beigetragen?

Bei den jüngsten M-TV Video Music Awards wollte Lady Gaga sogar mit einem Löwen über den roten Teppich flanieren, um sämtlichen anderen Stars die Show zu stehlen. Das wurde ihr verboten, aber dennoch ließ es sich die Sängerin nicht nehmen aufzufallen und performte ihren neuen Song Paparazzi mit Kunstblut, das ihr aus dem Oberteil floß und sich über den gesamten Oberkörper ergoss – ein Auftritt den man sonst eher dem Metalgenre zuschreiben würde. Insgesamt ist das ganze aber wohl viel Lärm um nichts: Musikalisch bleibt nicht viel hängen. Die Künstlerin selbst hat auch nicht viel zu bieten – außer grellen Outfits und Skandalen. Aber die scheinen sich zumindest auszuzahlen.

Kim Petras

16 July 2009 | No Comments » | Andreas Meier

In Großbritannien schon ein Pop-Sternchen: Kim Petras. Geboren wurde die 16-Jährige als Tim Petras und lebt in Bonn. Sie ist damit die jüngste transsexuelle Künstlerin und die jüngste Deutsche, die mit einer Hormontherapie beginnen konnte[1]. Zwar ist Transsexualität in der heutigen Zeit nicht mehr so verpöhnt, wie noch vor fünfzig Jahren, dennoch ist der offene Umgang einer Künstlerin damit – insbesonder in jungen Jahren – bemerkenswert und nicht alltäglich. Auch heute gelten Transsexuelle häufig noch als Paradiesvögel. “Die Geilheit der Medien auf ‘anders sein’ ist einfach zu groß,” so bringt Sheila Wolf das Ganze passend auf den Punkt. Und aus genau diesem Grund – das Medien gerade das “Andersartige” so schätzen und portraitieren -  würde ich die Geschichte von Kim Petras als Tabubruch werten. Allerdings muss man dabei festhalten, dass es sich dabei keinesfalls um einen beabsichtigten, auf PR abgezielten Tabubruch handelt – zumindest nicht vom Künstler aus.

Der Musikstil enthält nicht viel besonderes – moderner Pop. An einigen Stellen glattgebügelt und mit Effekten überladen, so dass die Sängerin prinzipiell beliebig austauschbar wäre. Kim hat allerdings ein besonderes Alleinstellungsmerkmal. Inzwischen ist sogar die Bild-Zeitung auf Kim aufmerksam geworden. Die Frage ist: Wäre sie das auch ohne die Hintergrundgeschichte? Wie sich ihre Karriere weiter entwickeln wird, lässt sich leider noch nicht sagen, sollte man aber sicher im Auge behalten. Ein Nachteil dieser Popularität stellt sich aber auch unmittelbar ein – gehässige Kommentare zu Kims Sexualität. Mit diesen wird sie fortan leben müssen. Es könnte durchaus sein, dass die Musik selbst, die  – wie bereits beschrieben – nicht unbedingt als außergewöhnlich zu beschreiben ist, in den Hintergrund gedrängt wird, und Kim fortan nur über ihre Sexualität definiert wird.[2] Aber vielleicht ist auch gerade das die Strategie der Plattenfirma?

Literaturhinweise:
[1]http://www.trans-eltern.de/
[2] vgl. http://badhairdaysandmore.blogspot.com/

Interessante Links:
Kim Petras bei MySpace

Kim Petras bei YouTube